C. Konkrete Schutzmaßnahmen

C.1 Herstellung von NATURA 2000 Grünland

Für die Herstellung von NATURA 2000 Grünland sollen die Maßnahmen des erstellten Konzeptes (A.4) umgesetzt werden. Dadurch sollen die besonderen Lebensraumtypen des Offenlandes auf neue Flächen ausgeweitet werden, um so auch den potenziellen Lebensraum der Vögel zu vergrößern.
Um dieses Ziel zu erreichen, gibt es verschiedene Maßnahmentypen, um aus den unterschiedlichen Flächen neue Habitate zu entwickeln:
So werden bei besonders verbuschten Flächen, die schon lange brachliegen, durch eine Erstpflege Gehölzstrukturen entfernt und die Wiesen wieder in einen mähfähigen Zustand versetzt. In anderen Gebieten erschwert die Topographie der Rhön eine einfache Instandsetzung, weswegen hier auch Einachsgeräte zum Einsatz kommen. Auf anderen Flächen müssen zunächst Bäume gerodet werden, bevor durch Tiere die Entwicklung von dem gewünschten Grünland gefördert werden kann.

C.2 Optimierung und Neuschaffung von Kalkmagerrasen in Nüsttal

Auf den Flächen der Gemeinde Nüsttal sollen die vorhandenen Kalkmagerrasen optimiert werden. Zusätzlich gibt es einige Flächen, die stark verbuscht sind. Auf diesen kann nach der Entnahme der Gehölze weitere Kalkmagerrasen, als typisches Grünland der Rhön, entstehen.
Um diese Maßnahmen durchzuführen, soll mit der Gemeinde ein Weidekonzept erstellt und umgesetzt werden. Als Grundlage dienen dazu auch die in der Maßnahme A.4 „Grünlandkonzept NATURA-2000 - Kommunikation und Harmonisierung von NATURA-2000 Zielen“ erarbeiteten Ziele. Zusätzlich soll auch der Einsatz von Ziegen in der Landschaftspflege und entsprechende ergänzende Pflegearbeiten dargestellt werden. Die Umsetzung des Konzepts und damit die Entwicklung der Kalkmagerrasen soll über den Zeitraum des LIFE-Projektes von den Erstellern des Weidekonzepts fachlich begleitet werden.

C.3 Optimierung der Habitate für Vogelarten der Vogelschutzrichtlinie in den Hutungen

Durch diese Maßnahme des LIFE-Projekts sollen die traditionellen Hutungen in der Rhön verbessert werden. Dabei ist es wichtig, dass das Land nach der Erstpflege weiterhin beweidet wird, um eine neue Verbuschung zu verhindern. Um dies zu erreichen, wird jährlich mit den Flächeneigentümern und Nutzern der Hutungen gemeinsam eine Vereinbarung über die geplanten Arbeiten und über das Nutzungsregime und die nötigen Anpassungen durchgeführt.
Solche Arbeiten können zum Beispiel Gehölzentfernung durch Maschinen und Ziegen, Entfernen von Zäunen und Zaunresten, Ausbesserung von Außenzäunen durch vogel- und wildtiergerechte Zäune, Rückbau von Quellfassungen oder Maßnahmen zur Wiedervernässung sein.
Durch diese Optimierung von einzelnen Stellen können ganze Habitate für die bedrohten Vögel der Rhön verbessert werden.

C.4 Optimierung der Habitate für wiesenbrütende Vogelarten der Vogelschutzrichtlinie

In dieser Maßnahme sollen die Brut- und Nahrungshabitate der wiesenbrütenden Vögel in der Rhön verbessert werden. Dazu sind verschiedene Teilmaßnahmen notwendig, die durch die LIFE-Förderung finanziert werden können:
Vögel wie Braunkehlchen, Wiesenpieper, Bekassine und Wachtelkönig brauchen die offenen Wiesen, die in der Rhön inzwischen häufig von Gehölzen bedeckt sind. Durch Entfernung der Sträucher, Erhalten von einzelnen, höheren Vegetationsstrukturen und die Wiedervernässung von trockengelegten Flächen können die Habitate für die Vögel optimiert werden. Auch durch vertragliche Festlegung von flexibleren Mähterminen zum Schutz des Wachtelkönigs, den Verzicht auf Pestizide und die Schaffung eines vielfältigen Mosaiks an verschiedenen Nutzungen kann die Situation für die Tiere verbessert werden.

C.5 Optimierung von Habitate für Raubwürger und Neuntöter

Für diese Würgerarten sollen durch das LIFE-Projekt in der Rhön Habitate verbessert werden, indem einzelne Gehölze entfernt werden. Die übrigen Sträucher müssen gepflegt werden, um Raubwürger und Neuntöter Futter- oder Nistplätze zu bieten. Nach der Entbuschung ist eine anhaltende Nachpflege notwendig, um das halboffene Grünland zu erhalten.
Um nicht nur ein gutes Habitat zu schaffen, sondern um auch ein ausreichendes Nahrungsangebot zu garantieren, soll auch in diesem Hinblick mit den Landwirten zusammengearbeitet werden. Durch den Verzicht auf Pestizide und Parasitenprophylaxe, sowie durch eine schwache Beweidung, kann das Habitat weiter verbessert werden.

C.6 Entwicklung von Schwarzstorch-Nahrungshabitaten

Auch wenn der Schwarzstorch im Wald brütet, sucht er im Offenland Nahrung an Wasserstellen. Um die Nahrungssituation für den Vogel in der Rhön zu verbessern, sollen durch die LIFE-Förderung Flächen wieder vernässt und Nahrungsteiche angelegt werden.
Um auch die Ansiedlung von möglicher Beute in diesen Habitaten zu fördern, soll in der Umgebung dann auf die Nutzung von Düngern und Pestiziden verzichtet werden. Für eine zusätzliche Verbesserung der Situation muss auch die Störung durch Menschen minimiert werden.

C.7 Habitaterweiterung und -optimierung zur Schaffung einer vitalen Metapopulation des Skabiosen-Scheckenfalters im FFH-Gebiet Hochrhön

In der Hessischen Rhön gibt es nur noch eine bekannte Population des Skabiosen-Scheckenfalters. Diese lebt im Roten Moor, da sie dort die wichtige Futterpflanze Teufelsabbiss (Succisa pratensis) findet. Um das Vorkommen zu einer Metapopulation auszuweiten, sollen durch das LIFE-Projekt künstlich besiedelte Trittstein-Habitate in räumlich geeigneter Lage geschaffen werden.
Zusätzlich soll das Habitat für den Falter erweitert werden, wozu neue Flächen entwickelt oder neu hergestellt werden sollen. Dazu sind Gehölzentnahmen wie Grauerlen und Grauweidengebüsche, Instandsetzungspflege von Brachen und Feuchtbrachen notwendig. Durch gezielte Einbringung der Larvennährpflanze Teufelsabbiß sollen durch Brache verarmte ehemalige Habitate im Roten Moor schnell wieder reaktiviert bzw. aufgewertet werden. Zur Erhaltung der entstandenen Habitate sollen verschiedene Pflegemaßnahmen untersucht werden, wie etwa die Beweidung mit Wasserbüffeln oder eine rotierende Mahd.

C.8 Demonstration der Wirksamkeit unterschiedlicher Nutzungs- und Pflegeregime für Bergmähwiesen und weitere Lebensraumtypen

Durch den Fortschritt in der Landwirtschaft sind die traditionellen Bewirtschaftungsweisen gegen intensivere Methoden getauscht worden. Deswegen ist es notwendig, neue verträgliche Nutzungsoptionen für die Bergmähwiesen herauszuarbeiten, die für die Landwirte trotzdem ausreichend wirtschaftlich sind. Im LIFE-Projekt sollen deswegen verschiedene Nutzungs- und Pflegeregime für das Berggrünland in der Rhön erprobt werden.
Dazu wird eine empirische Vegetationsuntersuchung auf 10 Flächen mit bereits bestehenden Weide- oder Mähweideverfahren im Vergleich zur reinen Mahd durchgeführt. Dazu werden die Pflegetypen Wiese, Mähweide, Umtriebsweide und großflächig-extensives Weidesystem überprüft.
Zusätzlich sollen zwei identische Parzellenversuche angelegt werden. Hier sollen in je 3 Plots die Regime Frühjahrsvorweide, Herbstnachweide, Umtriebsweide und Mahd nach Blühen von Kennarten getestet werden.
Durch diese Maßnahme soll nicht nur die Eignung verschiedener Nutzungs- und Pflegeregime für den Erhalt des Lebensraumtyps Bergmähwiese geprüft werden, sondern auch eine höhere Akzeptanz bei Landwirten erreicht werden, da erwartungsgemäß weitere Pflegeoptionen zur Flexibilisierung beitragen. Diese führen auch zu einem Erkenntnisgewinn für Agrar- und Umweltverwaltung zur effizienteren Gestaltung von Programmen des Vertragsnaturschutzes

C.9 Bekämpfung von Neophyten und anderen Problemarten auf NATURA 2000-Flächen

Die lila blühende Vielblättrige Lupine verbreitet sich immer mehr über die Bergwiesen der Rhön. Durch ihre Fähigkeit Stickstoff aus der Luft im Boden anzureichern, verdrängt sie die typischen Pflanzen von den mageren Wiesen des Berggrünlands. Um die Ausbreitung dieser Pflanze zu verringern, werden auch im LIFE-Projekt Maßnahmen wie Ausstechen und intensive Mahd durchgeführt.
Neben diesem Neophyten gibt es noch andere Problempflanzen, die in ihren Beständen dezimiert werden sollen. Dazu gehören zum einen Dominanzbestände von Rasenschmiele und Landreitgras, die durch neue Maßnahmen in der Mahd und Beweidung bekämpft werden sollen, zum anderen die für Tiere schädlichen Herbstzeitlosen und das Jakobs-Greiskraut.

C.10 Prädatorenmanagement in Wiesenbrütergebieten und Hutungen

Um den Bruterfolg von bodenbrütenden Vogelarten – insbesondere Bekassine, Braunkehlchen, Wiesen- und Baumpieper sowie Wachtelkönig – zu verbessern, reicht es nicht, nur die Habitate für die Vögel zu sichern. Zusätzlich muss ein systematisches Prädatorenmanagement durchgeführt werden, um die Gefährdung der Nester durch Räuber zu verringern. Dieses zielt auf Marderartige, Fuchs, Wildschwein, Waschbär und Marderhund, die in der Rhön einen starken Druck auf die Nester von bodenbrütenden Vögeln ausüben. Zum Einsatz kommen dafür eine professionelle Schwerpunktbejagung in Kombination mit dem Fallenfang.
Begleitet wird das Prädatorenmanagement zusätzlich durch einen Runden Tisch mit Jagd, Naturschutz und Landwirtschaft sowie durch lokale Runde Tische oder Exkursionen mit den Akteuren vor Ort.

Ziegen auf Wiesen im Nüsttal - Foto: LIFE-Team

Mögliches Nahrungshabitat für Schwarzstörche - Foto: LIFE-Team

Bekämpfung von Lupinen - Foto: LIFE-Team

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