Streuobstwiese was ist das?

Rein geschichtlich gesehen, hat Karl der Große den Grundstein dazu gelegt. Das Capitulare de villis vel curtis imperii (Caroli Magni), kurz Capitulare de villis (Karls des Großen) genannt, ist eine Landgüterverordnung, die Karl der Große als detaillierte Vorschrift über die Verwaltung der Krongüter erließ. Er legte darin das vorhandene Wissen über die römische Landwirtschaft dar. 

Das Capitulare de villis zeichnet die Dreifelderwirtschaft, den Weinbau und die Obstpflege bis hin zur Viehhaltung ins einzelne als Bestandteile vorbildlicher Musterwirtschaften vor.

Die Vorschriften in den einzelnen Kapiteln der  kurzen Verordnung sind recht detailliert. Im 70. Kapitel werden schließlich 73 Nutzpflanzen (einschließlich (Heil)kräutern) und 16 verschiedene Obstbäume genannt, die in allen kaiserlichen Gütern von den Verwaltern angepflanzt werden sollten, wenn es die klimatischen Gegebenheiten zuließen.

Die Obstbäume wurden hauptsächlich rund um die Dörfer gepflanzt, gepflegt, beerntet und vererbt. Daraus sind die Streuobstwiesen der heutigen Zeit entstanden. Die häufigste Anlageform ist die Streuobstwiese, bei der hochstämmige Obstbäume auf Wiesen, Weiden oder Mähweiden stehen.

Auch in der Rhön haben in den 60er  und 70er die Rodungen der Streuobstbestände zu herben Verlusten geführt. Um dem entgegenzuwirken gab 1996 die Rhöner Apfelinitiative gemeinsam mit dem Apfelbüro/Burghaun eine Obstsortenbestimmung in Auftrag. 170 Apfelsorten wurden damals  bestimmt und Standorte dazu festgelegt. 

Für die mitteleuropäische Biodiversität spielen Streuobstbestände mit über 5.000 Tier- und Pflanzenarten sowie über 3.000 Obstsorten eine herausragende Rolle. 

Welche Apfelsorten gehören auf unsere Rhöner Wiesen?

Lokalsorten
…das sind für die Rhön absolut typische Apfelsorten, die es teilweise auch nur in der Rhön gibt, also richtige Spezialitäten. Für jeden Rhöner ein „Muß“, mindestens eine dieser Sorten zu pflanzen:

• Seebaer Borsdorfer (Bereich Seeba/Meiningen)
• Reders Goldrenette (Mellrichstadt und Umgebung)
• Pflankenapfel (Fladungen) (Apfel des Jahres 2008)
• Münnerstädter Apfel (Bad Neustadt/Münnerstadt)
• Roter Ausbacher (Kuppenrhön)
• Streifapfel
• Schafsnase (Rhöner Schafsnase)

 

 Hauptsorten
…das sind auch in anderen Regionen bewährte Apfelsorten für den Streuobstanbau. Diese Äpfel gedeihen auch bei uns besonders gut:


• Kaiser Wilhelm (Apfel des Jahres 2007)
• Goldparmäne (Pollenspender)
• Landsberger Renette (Pollenspender)
• Ontario (vitaminreich!)
• Rheinischer Bohnapfel (Mostapfel)
• Brettacher (Mostapfel)
• Baumanns Renette (Massenträger)
• Weißer Klarapfel (Sommerapfel)
• Jakob Fischer (Sommerapfel)
• Winterrambour
• Schöner von Boskoop
• Goldrenette von Blenheim (lecker!)
• Lohrer Rambour
• Dülmener Herbstrosenapfel (vielseitig)
• Boikenapfel
• Riesenboiken
• Croncels
• Rote Sternrenette („Weihnachtsapfel“)
• Danziger Kantapfel
• Prinzenapfel
• Jakob Lebel

Die Befruchtersorten nicht vergessen! Jede Apfelsorte braucht bestimmte andere Apfelsorten um einen guten Ertrag zu gewährleisten. 

Streuobstwiese Foto: Pixabay

Foto: capitulare_de_villis_vel_curtis_imperii_lxx.jpg

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