A. Vorbereitende Maßnahmen

A.1 Agrarsozioökonomische Studie "Situation der Landwirtschaft im Vogelschutzgebiet

Die Landschaft der Rhön ist durch jahrhundertelange Nutzung der Flächen als Weide oder Mähwiese entstanden. Deswegen können diese besonderen Lebensräume für Tiere und Pflanzen auch heute noch nur durch die Mithilfe der Landwirte erhalten werden. Die Erhaltung der traditionellen Bewirtschaftung ist jedoch nicht mehr wirtschaftlich. Durch die Aufgabe dieser verschwinden langsam die typischen Kulturlandschaften der Rhön.

Um einen Eindruck über die soziale und finanzielle Situation der Landwirte in der Rhön zu erhalten, wird eine Studie durchgeführt. Mit Hilfe der gewonnenen Erkenntnisse soll es dann ermöglicht werden, Maßnahmen durchzuführen, die nicht nur den Vögeln in der Rhön helfen, sondern auch den Landwirten keinen wirtschaftlichen Nachteil bringen.

A.2 Aktuelle Bestandserhebung, Habitat- und Defizitanalyse der Wiesenbrüter und Würgerarten

Zusammen mit der Vogelschutzwarte werden die aktuellen Brutbestände der Wiesenvögel und Würgerarten, wie etwa der Neuntöter, erfasst. Die Erfassung erfolgt in unterschiedlicher Intensität und beschränkt sich dabei auf die für das Projekt relevanten Vogelarten. Dies sind neben dem Neuntöter auch Wachtelkönig, Wiesenpieper, Baumpieper, Raubwürger, Bekassine und Braunkehlchen. 

Außerdem arbeitet das LIFE-Team noch mit dem Landesverband Hessen für Höhlen- und Karstforschung zusammen, um einen Überblick über die in der Rhön weitverbreiteten Quellen zu erhalten, denn die umgebenden Wiesen eignen sich besonders gut als Lebensraum für ausgewählte Vogelarten, wie etwa die Bekassine.
Durch diese Kartierung soll es so ermöglicht werden, den Zustand der Grünlandhabitate genau einzuschätzen, um zukünftige Maßnahmen effizient zu gestalten.

A.3 Ergänzende Kartierungen der LRT für den Bereich des FFH-Gebietes "Vorderrhön" und des VSGs Hessische Rhön

In dieser Maßnahme sollen die seltenen Lebensraumtypen des Grünlandes, also Borstgrasrasen, Kalkmagerrasen, Berg-Mähwiese und Flachland-Mähwiese, in dem FFH-Gebiet der Vorderrhön, sowie in den angrenzenden Bereichen, erfasst werden. Es wird angenommen, dass sich die Qualität dieser Grünlandhabitate durch eine intensivere landwirtschaftliche Nutzung verschlechtert hat. Diese Vermutung soll durch den Vergleich von alten Erfassungen und dieser aktuelleren Kartierung überprüft werden.

Um die Ergebnisse mit anderen vergleichen zu können, richten sich die Kartierer nach der derzeit in Hessen in Erprobung befindlichen, landesweiten Hessischen Lebensraum- und Biotoptypenkartierung (HLBK). Bei dieser wird für jeden LRT-Bestand ein Erfassungsbogen ausgefüllt, der die biotoptypischen Arten, Strukturparameter, die derzeitige Nutzung der Fläche sowie Beeinträchtigungen erfasst. Als Erweiterung zu der in Hessen angewandten Methode sollen für das LIFE Projekt jedoch auch ergänzende Angaben zur zukünftigen Nutzung oder Pflege der Flächen erhoben werden, damit hier sofort eine Maßnahmenumsetzung erfolgen kann.
Die Kartierungen bieten die Grundlage für ein Maßnahmenkonzept, durch das die Grünlandvielfalt der Rhön umfassend und nachhaltig erhalten und gesichert werden soll.

A.4 Grünlandkonzept NATURA-2000 - Kommunikation und Harmonisierung von NATURA-2000 Zielen

Durch diese Maßnahme sollen die Ziele von Natura 2000 auf den Projektflächen, und darüber hinaus, gesichert werden. Das Konzept soll dabei sowohl ein naturschutzfachliches Leitbild, als auch einzelne Maßnahmenpläne enthalten.
Im Naturschutzfachlichen Leitbild werden vor allem allgemeine Leitfäden für die Schwerpunktgebiete der FFH-Lebensraumtypen und der Schwerpunktgebiete des Vogelschutzes gegeben.
Für die einzelnen Schwerpunktgebiete werden Maßnahmenpläne erstellt, in denen die spezifischen Ziele und Umsetzungspläne festgelegt werden. Besonders bei diesem Bestandteil ist die Zusammenarbeit zwischen dem LIFE-Team, den Bewirtschaftern und den übrigen Akteuren sehr wichtig.

A.5 Konfliktlösung im Maßnahmenraum Wasserkuppe

Die Wasserkuppe ist ein sehr beliebtes Ziel in der Rhön. Hier treffen viele Interessen aufeinander. Sowohl Segelflieger, Paraglider, Modellflieger, Wanderer, Familien und Landwirte nutzen die verschiedenen Flächen, die die Wasserkuppe bietet.

Viele dieser Gebiete sind auch für den Naturschutz interessant, denn der Berg bietet mit seinen Borstgrasrasen und Bergmähwiesen mögliche Lebensräume für Braunkehlchen, Wachtelkönig und Bekassine.

Um für all diese verschiedenen Interessensgruppen einen gemeinsamen Weg zu finden, sollen in dieser Maßnahme dieselben bei einer Konzepterstellung mitarbeiten.

In diesem Konzept sollen Bausteine erarbeitet werden, die zur Lösung der Nutzungskonflikte führen. Außerdem müssen die landschaftspflegerischen Maßnahmen präzisiert und Monitoringplan erarbeitet werden.

Um eine bessere Kommunikation unter den einzelnen Akteuren zu ermöglichen, soll ein Stammtisch zusammengestellt werden. Diese Maßnahme soll so auch weiterhin ermöglichen, dass die Wasserkuppe allen Interessensgruppen erhalten bleibt.

A.6 Vorbereitende Arbeiten für die Maßnahme C.7 "Habitaterweiterung und -optimierung zur Schaffung einer vitalen Metapopulation des Skabiosen-Scheckenfalters"

Um die Population des Skabiosen-Scheckenfalters in der hessischen Rhön zu stärken, soll sein potenzielles Habitat vergrößert werden. Bevor diese Ausweitung stattfinden kann, müssen Kartierungen durchgeführt und Pflegepläne erstellt werden.

Die Kartierung soll dabei Daten über die Raumverteilung und Raumnutzung des Schmetterlings geben. Dabei ist es wichtig, auch den Populationsaustausch mit den nahegelegenen bayerischen Vorkommen zu betrachten. Aber es werden nicht nur die Vorkommen des Schmetterlings kartiert, sondern auch seine möglichen Habitate durch eine Biotoptypenkartierung. 

Die Erkenntnisse aus diesen Kartierungen dienen dann als Grundlage für die Erstellung eines Pflegeplans, bei dem auch die Anregungen aus einem Skabiosen-Scheckenfalter Workshop eingehen sollen. Die hier geplanten Schritte sollen dann in C.7 umgesetzt werden.

Landwirt bei der Ernte - Foto: Arnulf Müller

Kalkmagerrasen mit Küchenschelle - Foto: LIFE-Team

Markierung von Gespinsten - Foto: LIFE Team

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