LIFE Borstgrasrasen (NATURA 2000-Code: 6230)

Die seltenen Borstgrasrasen der Rhön sind durch eine langwährende, geringe Bewirtschaftung entstanden. Nach der Rodung der Wälder dienten die Flächen ursprünglich fast ausschließlich der Heugewinnung, aber die Erträge waren gering und die Ernte ohne Maschinen beschwerlich. Anschließend wurden dann die Tiere auf die Wiesen getrieben. Dadurch wurden konstant große Mengen an Nährstoffen aus den Böden entfernt, aber wenige wieder eingetragen. Diese nährstoffarmen Wiesen werden nur von bestimmten Pflanzen besiedelt. (LIFE-Projekt Rhön 1997)

Kennzeichnend für einen Borstgrasrasen ist die Dominanz des Borstgrases (Nardus stricta). Typische Arten neben diesem sind in der Rhön beispielsweise die bekannte Heilpflanze Arnika (Arnica montana; Foto, gelbe Blüte), die gewöhnliche Kreuzblume (Polygala vulgaris), das Wald-Läusekraut (Pedicularis sylvatica) oder das Katzenpfötchen (Antennaria dioica).

Unter den Insekten gibt es verschiedene Gruppen, welche typisch für Borstgrasrasen sind, bei den Heuschrecken zum Beispiel den Heidegrashüpfer (Stenobothrus lineatus). Typische Schmetterlinge sind hier der Randring-Perlmuttfalter (Proclossiana eunomia) und der Große Perlmuttfalter (Mesoacidalia aglaja). Außerdem fühlen sich Wiesenbrüter wie Wachtelkönig oder Wiesenpieper in den Borstgrasrasen wohl. (LIFE-Projekt Rhön 1997)

Diese Tierwelt ist zusammen mit den zahlreichen Pflanzenarten bedroht, wenn die Landwirtschaft ihre Nutzung der Flächen ändert. Sowohl eine Aufgabe, als auch eine Intensivierung der Rasen schaden diesem Lebensraum, da die typischen Arten verdrängt werden. Die Ausbreitung der Lupine verstärkt diese Veränderung durch die Anreicherung von Stickstoff im Boden. Insgesamt verarmen die Borstgrasrasen deswegen immer mehr.

In der Rhön wächst der Borstgrasrasen noch auf fast 190 ha. Durch seine Größe und Artenvielfalt sind diese Bestände von großer Bedeutung. Manchmal sieht man auf diesen Gebieten den seltenen Skabiosen-Scheckenfalter. Einige der Flächen weisen durch vereinzelte Gebüsche, Bäume und Basaltblöcke eine hohe strukturelle Vielfalt auf. Im LIFE-Projekt sollen die Flächen erhalten und gefördert werden. Außerdem ist eine Verringerung des Lupinenbestands ein weiteres Ziel des Projektes.

Quellenverzeichnis:
LIFE-Projekt Rhön der EU (Hrsg.) (1997): Naturschätze der Rhön: Borstgrasrasen. Kaltensundheim.

Borstgras - Foto: Uwe Barth

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